
Die
zu den Edellaubholzarten zählende Kirsche oder Vogelkirsche ist die
häufigste der in Europa vorkommenden Kirschenarten und zugleich das
verbreitetste Wildobst. Sie stellt die Stammart aller kultivierten Süßkirschensorten
der Gärten und Obstplantagen dar. Der Vogelkirsche begegnet man vor
allem in den artenreichen Mischwäldern. In waldbaulicher Hinsicht hat
sie allerdings über lange Zeit nur geringe Beachtung gefunden. Ein verstärkter
Anbau dieser schon immer sehr geschätzten Holzart kann aber sowohl forstwirtschaftlich
als auch holzwirtschaftlich nur von größtem Interesse sein, insbesondere
da die Nachfrage vor allem nach wertvollen, hollfarbigen Qualitäten
so stark angestiegen ist, daß sie in aller Regel nicht befriedigt werden
kann. Zudem ist die Bedeutung der Süßkirsche aus Gärten und Obstplantagen
als Holzlieferant nur noch gering, da die in den Obstbaumschulen gezüchteten
Fruchtbäume zwecks Erleichterung der Ernte kaum mehr Stammlängen von
über 2 m aufweisen.

Der
Kirschbaum kommt mit Ausnahme des äußersten Nordens (bis zum 61. Grad
n. Br.) und des Nordostens in ganz Europa bis nach Kleinasien, Nordiran
und zum Kaukasus vor. In Deutschland gibt es bedeutendere Vorkommen
im Steigerwald, Bodenseegebiet, Kotten- forst bei Bonn und Göttinger
Wald. Der Einschlag belief sich in den letzten Jahren auf ca. 5000 bis
6000 m3, wovon etwa 3000 bis 4000 m3 auf Stammholz entfielen. Dies entspricht
einer Menge von knapp 0,02 % des Gesamtholzeinschlages und stellt eine
wahrlich geringe Menge, insbesondere auch im Hinblick auf den Bedarf,
dar. Eine jährliche Nutzung von 5000 m3 kann verglichen werden mit dem
Ertrag von 2000 ha Wald, in dem der Kirschbaum Hauptbaumart ist. Dieser
Tatsache Rechnung tragend bemüht sich die Forstwirtschaft seit einiger
Zeit verstärkt um seine Nachzucht. So gibt es inzwischen in einer Reihe
von Bundesländern von den jeweiligen forstlichen Versuchsanstalten angelegte
Samen- Plantagen um einen gegenüber der Vergangenheit vermehrten Anbau
dieser wertvollen Holzart sicherzustellen.